Verhalten im Notfall
Erste Hilfe im Drogennotfall:
Nachfolgend findest Du Tipps zu ersten Hilfemaßnahmen bei einem Drogennotfall.
Sie wurden in Zusammenarbeit mit einer Leiterin von "Sofortmaßnahmen-am-Unfallort-Kursen" in Kiel erarbeitet und orientieren sich an den Leitlinien der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe (Stand 1.07.06).
Verhalten im Notfall:
Auch bei einem risikogeminderten Umgang mit Drogen kann es zu einem Notfall kommen - sei es z. B. durch eine versehentliche Überdosierung oder ungünstige Begleitumstände (schlechte Luft, zu wenig Flüssigkeitszufuhr oder ein falsch eingeschätztes Set - der innere "Gemütszustand").
Wenn ein solcher Notfall in Deiner unmittelbaren Umgebung eintritt, solltest Du nicht zögern auch ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Hole auch andere Menschen hinzu, leiste Erste Hilfe und rufe 112 (Giftnotruf Schleswig-Holstein: 0551/19240).
Eventuell möchtest Du nicht, dass die Polizei Deinen Hilferuf mitbekommt, durch Deine telefonische Schilderung eines "Unfalls durch Drogenkonsum" sich gleich mit auf den Plan gerufen fühlt und ein paar Minuten später neben Dir steht und komische Fragen stellt.
Schildere also am Telefon nur die vorherrschenden Symptome.
Erwähnst Du die Worte "Atemstillstand" oder "Bewusstlosigkeit" am Telefon, kommt so schnell wie möglich ein Rettungswagen (+ Notarzt) an den Unfallort.
Durch die Schweigepflicht von Ärzten und Rettungssanitätern kannst Du ihnen gegenüber ruhig offen sein. Am Telefon solltest Du, wenn Du ganz sichern gehen möchtest, jedoch nichts vom Konsum erwähnen.
Generell solltest Du auf jeden Fall versuchen hilfreich einzugreifen. Nichtstun könnte für den Hilfebedürftigen schwerwiegende Folgen haben.
Generell gilt weiterhin:
- betroffenen Menschen nicht alleine lassen
- möglichst bei Bewusstsein halten (Ansprache)
- Erste Hilfe leisten
- Notarzt mitteilen, was passiert ist (welche Stofflichkeiten wurden
- konsumiert)
- und auch wenn es schwer fällt: Ruhe bewahren
Hilfe bei Angstzuständen bzw. Horrortrips:
Symptome:
Person hat unkontrollierbare Angst, ist panisch und orientierungslos
Hilfe:
- Gib der/dem Betroffenen das Gefühl von Nähe und Geborgenheit (am besten durch eine vertraute Person).
- Gib der/dem Betroffenen ein Zeitgefühl, indem Du ihr/ihm ab und zu sagst, wie viel Zeit gerade vergangen ist.
- Rede beruhigend auf sie/ihn ein (talking down), bringe sie/ihn an einen ruhigen Ort und versuche ihre/seine Gedanken in eine positive Richtung zu lenken. Mache ihr/ihm klar, dass diese Phase vorübergeht.
- Du kannst die Person sanft berühren, gerade wenn sie Dir vertraut ist. Ist sie es nicht, sei damit vorsichtig, denn Du könntest der Person auch Angst machen.
- Gib der Person warmen Tee oder Wasser.
- Achte darauf, dass der Person nicht kalt wird.
Hilfe bei Schockzustand:
Symptome:
Blässe, kalter Schweiß, Übelkeit, Unruhe, Orientierungslosigkeit, schneller aber teilweise schwer zu ertastender Puls, eventuell auch Zittern (Frieren)
Hilfe:
- Beine hoch lagern / auf den Rücken legen, beruhigen, zudecken
- Rettungsdienst rufen und währenddessen Puls und Atmung kontrollieren
Hilfe bei Hyperthermie (Hitzschlag):
Symptome:
heiße Haut, Übelkeit, schneller Puls, hochroter und heißer Kopf
Hilfe:
- Vitamin- und Mineralgetränke reichen
- an einen ruhigen Ort mit frischer und kühler Luft gehen
- Hilfebedürftigen mit erhöhtem Kopf lagern (bei ihm/ihr bleiben)
Hilfe beim epileptischen Anfall:
Symptome:
Augen rollen nach oben, steife bzw. verkrampfte Muskeln, Arme und Beine zucken, eventuell ist Schaum vor dem Mund, Urin und Kot können abgehen
Hilfe:
- Person hinlegen und vor Verletzungen schützen (Gegenstände, Möbel
wegräumen / abpolstern), Kissen oder Kleidung unter den Kopf legen
- nach dem Anfall die Person in die stabile Seitenlage bringen
- Atmung und Puls kontrollieren
Hilfe bei Bewusstlosigkeit:
Symptome:
Person reagiert weder auf lautes Ansprechen noch auf Rütteln und Kneifen
Hilfe:
- Mundraum nach Erbrochenem, Essensresten etc. untersuchen und
gegebenenfalls entleeren (freie Atemwege)
- Atmung sanft kontrollieren (schauen und fühlen, ob sich der Brustkorb
hebt und senkt, und mit dem eigenen Gesicht über das Gesicht des
Betroffenen beugen, um ein Atemgeräusch zu hören oder den Luftstrom
der Atmung an der Wange zu spüren) - gehe behutsam mit der Person
um, damit sie sich nicht bedroht fühlt, falls sie wieder zu sich kommt
- stabile Seitenlage, wichtig: Kopf überstrecken (in den Nacken legen)
- Person mit Decken und /oder Kleidung warm halten und regelmäßig
überprüfen, dass die Person auch weiterhin atmet
- erlangt die Person ihr Bewusstsein zurück ? Kein Essen, keine Getränke
Hilfe bei Atemstillstand:
Symptome:
Person atmet nicht
Hilfe:
Sofort einen Notarzt rufen und mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen!
- Herzmassage und Beatmung im schnellen Wechsel 30x
Herzmassage (also 30x den Brustkorb eindrücken) und dann 2 Atemspenden
- mit der Herzdruckmassage wird immer begonnen
a) Herzdruckmassage:
Die Person sollte mit dem Rücken auf dem Boden (einem festen Untergrund) liegen und Du seitlich vor ihr knien
1) Ertaste das untere Drittel des Brustbeins und lege beide Handballen
übereinander auf diese Stelle (spreize dabei die Finger vom Brustkorb ab,
so dass der Druck nur auf das Brustbein geht).
2) Drücke mit durchgestreckten Armen das Brustbein senkrecht nach
unten (kurz und fest, ca. 4 cm tief), indem Du Dich über die/den
Betroffene/n beugst und Dein Oberkörpergewicht nutzt.
3) Du musst etwas schneller als einmal pro Sekunde (80-100x pro
Minute) drücken. Das Brustbein muss nach jedem Druck wieder einmal
komplett druckfrei sein, lass Deine Hände dabei aber auf dem Brustkorb.
b) Atemspende:
1) Nachdem Du die Fremdkörper aus dem Mund entfernt hast, überstrecke den Kopf nach hinten (Kopf in den Nacken legen, dabei eine Hand an die Stirn und eine Hand ans Kinn). Der Kopf muss bei der Beatmung die ganze Zeit überstreckt gehalten werden.
2) Unterkiefer nach oben schieben und den Mund schließen (dabei am Unterkiefer vor dem Ohr anfassen, Kinn an den Kopf drücken und mit dem Daumen Unterlippe an Oberlippe pressen).
3) Einatmen und ca. 1 Sekunde lang gleichmäßig in die Nase ausatmen (dabei Nase ganz in den Mund nehmen und mit den Lippen umschließen), der Brustkorb der/des Betroffenen hebt sich bei der Beatmung.
4) Dreh Deinen Kopf zur Seite in Richtung Brustkorb, um zu sehen, wie sich dieser wieder senkt und um wieder einzuatmen.
Wiederhole den Vorgang so lange, bis die Atmung (der Puls) wieder einsetzt oder der Notarzt kommt (gebe nicht vorschnell auf, wenn der Notarzt sehr lange braucht - Du kannst Dich auch mit anderen abwechseln, falls Du erschöpft bist)!
Mache einen Erste-Hilfe-Kurs und versuche Dich auf dem Laufenden zu halten.
Hilfe im Notfall könnte jeder von uns mal brauchen.
