Grundlagen Neurochemie

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Diese Informationen sind für alle gedacht, die sich ein wenig tiefer mit dem Thema der psychoaktiven Substanzen auseinandersetzen wollen.

Erst einmal vorweg: ein wirklich fundierten Eindruck über dieses Thema (Grundlagen Neurochemie) zu liefern würde den Rahmen eines solchen Flyers sprengen. Aber einen groben Überblick zu liefern, auch für Interessierte ohne Vorkenntnisse, sollte machbar sein.

Auch wenn es sich hier um eine recht große Fülle an Informationen handelt, die ihr wohl kaum im Rahmen einer Party aufnehmen könnt/wollt. Interessierte können sich jedoch mit Hilfe dieses Flyers zuhause informieren. Sollte die fast schon unzumutbare Informationsfülle zu hoch sein, euch die Thematik aber trotzdem interessiert, seht diesen Flyer als einen Anreiz, euch weiter zu informieren, zum Beispiel bei einer dieser Quellen:

  • Daniel Trachsel: Psychedelische Chemie (Informationen und Userberichte zu vielen verschiedenen Substanzen, setzt teilweise aber ein wenig chemisches Schulwissen voraus, was die kurze Einleitung nicht bieten kann, erhältlich im Nachtschattenverlag)
  • M. F. Bear, B. W. Connors, M. A. Paradiso: Neurowissenschaften (Allgemeine und ausführlichste Einführung in die Biologie des Nervensystems, erhältlich im Spektrum Verlag)
  • Alexander Shulgin: PIHKAL, TIHKAL (bei den ersten Hälften beider Bücher handelt es sich um eine Biographie des bekannten Chemikers, während die zweiten Hälften ein Sammlung von Informationen über Phenylalkylamine (PIHKAL) und Tryptamine (TIHKAL) darstellt, leider nur auf Englisch)
  • Christian Rätsch – Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen
  • www.erowid.org (Neben vielen Userberichten und allgemeinen Informationen zu den einzelnen Substanzen auch einschlägige Forschungsliteratur aus der Pharmakologie u.ä., allerdings nur auf Englisch)

 

Das Nervensystem

Als Nervensystem bezeichnet man die Gesamtheit aller Nervenzellen (Neuronen) und Gliazellen (siehe nächster Abschnitt), sowie ihren funktionalen Zusammenhang. Zum Nervensystem gehört längst nicht nur das Gehirn, sondern ebenso das Rückenmark und alle Nervenstränge und Ansammlungen von Neuronen quer durch den Körper. Man gliedert in Zentralnervensystem (ZNS), bestehend aus Gehirn und Rückenmark als zentralste Steuerungseinheiten, und das periphere Nervensystem, bestehend aus allen anderen Nervensträngen und Neuronenansammlungen/-knoten (sogenannten „Ganglien“).
Grundsätzlich sieht der Informationsfluss durch das Nervensystem so aus, dass die sensorischen Neuronen („Wahrnehmungszellen“) durch Umwelteinflüsse aktiviert werden (beispielsweise unsere Neuronen im Auge durch Licht) und die entstehenden Signale (Aktionspotential, s. unten) über Nervenstränge ins Gehirn weitergeleitet werden. Dort werden sie durch die entsprechenden Schaltkreise durchgereicht und in Kombination mit der schier unvorstellbaren Zahl anderer Signale, zum Beispiel aus der Verarbeitung vorheriger Wahrnehmungen beziehungsweise dem Gedächtnis, entstehen dann entsprechende Signale, die wieder aus dem Gehirn heraus wandern. Von dort gelangen sie beispielsweise an motorische Neuronen an einem Muskel und führen zu einer Bewegung.
So könnte zum Beispiel der gesamte Input der sensorischen Neuronen im Auge, die ein herannahendes Auto melden, zusammen mit den Signalen aus der Erinnerung, die mit dem Konzept „Auto“ das Konzept „Gefahr für mich als Fußgänger“ verbinden, zum entsprechenden Output für die motorischen Neuronen in der Beinmuskulatur werden, die eine Ausweichbewegung durchführen. Dieses einfache, sogenannte neurokybernetische Modell, trifft natürlich längst nicht in dieser Einfachheit zu, erst recht nicht für komplexere, nonlineare Vorgänge, wie beispielsweise das Entwerfen eines Plans für den nächsten Urlaub. Für die allgemeine Thematik, das philosophische Problem, inwieweit eine Beschreibung des Nervensystems auch eine Beschreibung unseres Bewusstseins ist bzw. in welchem Verhältnis diese zueinander stehen (Leib-Seele-Problematik), lohnt es sich, eine der vielen Einführungen zu diesem Problem zu lesen und die gerade sehr aktuelle, spannende Debatte mitzuverfolgen.

Das Gehirn
Das Gehirn ist die wichtigste Schaltzentrale unseres Organismus. Es besteht aus Neuronen (Nervenzellen) und Gliazellen.
Gliazellen ist ein Sammelbegriff für verschiedene Arten von Zellen, die sowohl ein Stützfunktion haben und die Neuronen elektrisch voneinander isolieren (vergleichbar zum Beispiel mit einer Isolierschicht an Kabeln), wie auch beim Stoffwechsel, der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im Gehirn und der Informationsverarbeitung eine Rolle spielen.

Die Neuronen sind für die elektrische Signalübertragung zuständig. Sie bestehen grob aus einem Zellkörper und einem “Signalübertrager” (Axon). Auf der Seite des Zellkörpers werden einkommende Signale von den anderen Zellen an den Synapsen (Bindungsstellen zwischen zwei Neuronen) empfangen. Sie werden über die Verzweigungen der Zelle weitergeleitet (Dendriten). Diese einkommenden Signale können positive oder negative elektrische Signale sein (erregende/hemmende postsynaptische Potentiale). Diese verschiedene Signale werden an einem Ort des Zellkörpers kurz vorm Axon (am Axonhügel) “aufaddiert”, das heißt sie werden „zusammengerechnet“. Übersteigt die elektrische Spannung dabei einen gewissen Schwellenwert (ca. -50mV) wird ein elektrisches Signal ausgelöst, was dann auf andere Neuronen übertragen werden kann.
So könnten beispielsweise 3 verschiedene Neuronen, A, B und C genannt, Signale an ein Neuron D senden. Dabei schickt A ein Signal von -20mV (erregend), B 30mV (hemmend) und C -70mV (erregend). Bei Neuron D kommt im Axonhügel also ein Signal von -60mV (-20+30-70) an, weshalb Neuron D an seine nachgeschalteten Neuronen ebenfalls ein Signal sendet. Dieses Signal hat jetzt jedoch immer dieselbe Stärke, unabhängig von den einkommenden Signalen. Starke einkommende Signale spiegeln sich dann darin wieder, dass Neuron D öfter hintereinander feuert (höhere Frequenz). Wie viel Neuron D jetzt zu neuen Signalen beiträgt und ob dieser Beitrag erregend oder hemmend ist, hängt von den Prozessen an der Synapse ab.
Dieses von Neuron D gesendete elektrische Signal wird Aktionspotential genannt.

Das Aktionspotential
Das Aktionspotential ist das elektrische Signal eines Neurons. Möglich wird es durch die elektrische Spannung an der „Haut“/der Zellmembran des Neurons. An dieser Membran stehen sich verschiedene Konzentrationen elektrisch geladener Ionen gegenüber, was also zu einer Spannung führt. Durch Veränderung dieser Konzentrationen kann nun also die Spannung verändert werden, es entsteht ein elektrisches Signal. Dieses wird über den länglichen “Signalüberträger” (Axon) des Neurons weitergeleitet an die Verzweigungen am Ende der Zelle (Axonterminale). Am Ende dieser Verzweigungen befinden sich die Bindungsstellen zu anderen Neuronen, die Synapsen. Wenn jetzt in einem Neuron ein Aktionspotential ausgelöst wird, wandern kleine Bläschen (Vesikel) in den Verzweigungen zur Synapse. Diese Bläschen enthalten Überträgerstoffe (Neurotransmitter), die dann in den synaptischen Spalt (Spalt zwischen Ende des einen Neurons und Beginn des anderen) ausgeschüttet werden. Diese Neurotransmitter werden dazu genutzt, das Signal weiterzuleiten, näheres dazu im nächsten Abschnitt, indem die Funktionsweise einer Synapse erklärt wird.
Die Synapse

An der Synapse werden die elektrischen Signale eines Neurons weitergeleitet. Sie ist das Bindeglied zwischen zwei Neuronen. Wenn jetzt die Neurotransmitter an der Präsynapse (Ende des Neurons, was das Signal weiterleitet) ausgeschüttet werden, reagieren sie mit sogenannten Rezeptoren an der Postsynapse (Anfang des Neurons, was ein Signal aufnimmt). Rezeptoren sind Proteine oder Proteinkomplexe an der Zellmembran, sie bestehen aus einer Andockstelle und einem Ionenkanal. Einige leiten auch über Umwege ein Signal zu anderen Ionenkanälen (G-Protein-gekoppelte Rezeptoren). Wichtig zu wissen ist jedoch, dass sie, wenn eine Substanz an der Andockstelle andockt, in irgendeiner Form die elektrische Spannung an der „Haut“ des Neurons (Membranpotential) durch Öffnung oder Schließung eines Ionenkanals verändern (entweder positiv oder negativ, der Vorgang wird Depolarisation oder Hyperpolarisation genannt). Diese Änderung wird, wie oben erklärt, zum Axonhügel weitergeleitet und dort verrechnet. Sie kann dann ein Aktionspotential fördern (Depolarisation) oder hemmen (Hyperpolarisation). Die Neurotransmitter binden jeweils nur an einige Rezeptoren, je nach Art “ihrer” Rezeptoren wirken sie also erregend (exzitatorisch) oder hemmend (inhibitorisch). Die Stoffe, die an einen bestimmten Rezeptor andocken können, werden Liganden für diesen Rezeptor genannt. Wenn die Neurotransmitter am Rezeptor gewirkt haben, werden sie entweder durch Transportproteine wieder in die Vesikel aufgenommen (Wiederaufnahme) oder durch Enzyme abgebaut (metabolischer Abbau). Substanzen, welche die Wiederaufnahme oder die die entsprechenden Enzyme einiger Neurotransmitter hemmen, führen also zu einer höheren Konzentration dieser Neurotransmitter im synaptischen Spalt, da diese nicht mehr abtransportiert werden. Aber warum gibt es überhaupt Synapsen? Das elektrische Signal könnte doch auch einfach direkt zwischen den Neuronen übertragen werden. Die Antwort darauf ist recht simpel: Die Synapsen verändern sich je nach Benutzung, sie dienen dem Gehirn also dazu, zu lernen. Natürlich sind sie nicht alleine für den Lernprozess verantwortlich, sie sind aber ein wichtiges Puzzleteil beim Verstehen des Lernprozesses.

Die wichtigsten Neurotransmitter

Acetylcholin: wird zur Signalübertragung von Neuronen auf Muskelzellen eingesetzt, spielt also eine große Rolle bei der Motorik (Steuerung von Bewegungsabläufen). Es spielt aber auch eine Rolle beim Lernen und beim Gedächtnis, weswegen Substanzen, die den Acetylcholinspiegel erhöhen, auch bei Alzheimer eingesetzt werden (z.B. Galantamin).
Adrenalin (auch Epinephrin): führt zu einer Steigerung des Stoffwechsels und stimuliert allgemein das Zentrale Nervensystem (ZNS). Das heißt es führt zu einer Erhöhung der Schlagkraft und -frequenz des Herzens, einer Verengung der Blutgefäße der Haut, Schleimhäute und Bauchorgane und Erweiterung der Blutgefäße in Skelettmuskeln und Leber. Außerdem steuert Adrenalin vermutlich maßgebend die Atmung. Adrenalin wird vor allem in Notsituationen vermehrt ausgeschüttet, in denen der Körper schnell leistungsfähig sein muss.
Dopamin: steuert u.a. die Hormonausschüttung und gefühlsmäßige Reaktion auf Umwelteinflüsse, sowie die Grobmotorik. Es wirkt auch antriebssteigernd, euphorisierend und hat vermutlich einen Einfluss bei der Steuerung von Motivation. Sein umgangssprachlicher Ruf als „Glückshormon“ ist jedoch schlicht falsch. Ein erhöhter Dopamin-Spiegel im synaptischen Spalt bedeutet nicht automatisch ein Glücksgefühl, sondern kann je nach momentanem übrigem Zustand des Nervensystems die verschiedensten Emotionslagen widerspiegeln. So wird ein erhöhter Dopaminspiegel auch in Verbindung mit Schizophrenie und anderen psychischen Erkrankungen gebracht.
GABA (Gamma-Aminobuttersäure): ist der wichtigste hemmende (inhibitorische) Neurotransmitter. Hat eine Schlüsselfunktion bei der Schlafregelung und anderen Prozessen, die Teile des Gehirns hemmen.
Noradrenalin (auch Norepinephrin): stimuliert ebenfalls das ZNS (bei Adrenalin erklärt), steuert zum Teil auch Belohnungsgefühle und Hunger-Durst-Gefühle. Deswegen wird bei Drogen, die die Noradrenalin- oder auch Adrenalinkonzentration im synaptischen Spalt erhöhen nur noch in sehr geringem Maße ein Hunger- oder Durst-Gefühl wahrgenommen. Wirkt anders als Adrenalin jedoch nicht hauptsächlich in Notsituationen, sondern ist bei vielen Regelschaltkreisen der alltäglichen Hirnfunktion beteiligt.
Serotonin: spielt eine Rolle bei vielen lebensnotwendigen Prozessen, wie zum Beispiel dem Lernen, dem Gedächtnis, dem Regelkreis aus Hunger und Sättigung, der Steuerung emotionaler Prozesse und der Regelung der Körpertemperatur. Es wirkt blutdrucksteigernd, euphorisierend und leicht antriebssteigernd. Außerdem wird durch die Umwandlung von Serotonin in Melatonin der Schlaf-Wach-Rhythmus gesteuert. Die Serotonin-Speicher (Anzahl der Vesikel, die mit Serotonin gefüllt sind) füllen sich nur sehr langsam wieder auf (3-6 Wochen), während die Noradrenalin-, Adrenalin- und Dopamin-Speicher sich innerhalb von 6-18 Stunden wieder auffüllen.
Endorphine: bezeichnet eine Gruppe an Substanzen, die ebenfalls an der Steuerung des Regelkreises aus Hunger und Sättigungen, ebenso aber auch an der Schmerzregulierung und Entstehung von Glücksgefühlen beteiligt sind. Aufgrund ihrer Rolle bei Glücksgefühlen wird ein Teil des Gehirns, der viele endorphinerge Neuronen enthält, auch „Belohnungszentrum“ genannt. Sie gehören zur Klasse der Opioide, deshalb leitet sich ihr Name aus „endogen“ (körpereigen) und „Morphin“ her.
Mit diesen Informationen habt ihr genug Wissen, um einigermaßen zu verstehen, wie psychoaktive Substanzen funktionieren.

Psychoaktive Substanzen
Grundlegend lassen sich zwei Arten von Substanzen unterscheiden: Die, welche die Konzentration eines oder mehrerer Neurotransmitter erhöhen und die, die selbst an einem Rezeptor wirken (als Liganden).
Die Erhöhung der Konzentration eines Neurotransmitters kann prinzipiell über drei Wege erfolgen: Der Hemmung der Wiederaufnahme (wie oben erklärt), Hemmung des metabolischen Abbaus und erhöhte Ausschüttung. Dabei werden dann die typischen Wirkungen des entsprechenden Neurotransmitters verstärkt hervorgerufen, da er ja nun in höherer Konzentration im synaptischen Spalt vorliegt.
Diese drei Formen unterschieden sich zumindest groß in ihrer Gefährlichkeit für das Nervensystem. Es entsteht eine besonders heftige Schädigung der Neuronen, wenn die Substanz in das Neuron selbst eindringen kann. Deshalb ist die Hemmung der Wiederaufnahme in der Regel ungefährlicher, da bei den anderen beiden Formen die Wiederaufnahmeproteine weiter den ausgeschütteten Neurotransmitter zurück in das Neuron „schaufeln“, um ihn für spätere Signalübertragungen erneut nutzen zu können, wobei auch fälschlicherweise die Substanz mit hineingelangen kann. Bei einer Hemmung der Wiederaufnahme (wobei diese nie vollständig gehemmt wird) ist diese Gefahr verringert.
Nun gibt noch grundlegend zwei Arten, wie eine Substanz selbst an einem Rezeptor wirken kann:
agonistisch (aktivierend) und antagonistisch (hemmend). Die betreffenden Substanzen werden Agonisten/Antagonisten an diesen Rezeptoren genannt.
Greift jetzt eine Substanz in das Aktivitätsmuster des Nervensystems ein, heißt das vereinfacht, dass alle Neuronen, die an Neuronen mit entsprechenden Rezeptorsubtypen gekoppelt sind, entsprechend des Wirkmechanismus anders aktiv sind, als sie es ohne die Substanz wären. Ein recht stark vereinfachtes Beispiel:
Amphetamin wirkt als Wiederaufnahmehemmer von Noradrenalin und Dopamin. Wird die Substanz nun konsumiert, wird es im Magen in den Blutkreislauf aufgenommen oder gelangt direkt durch die Nasenschleimhaut in diesen (je nach Konsumform natürlich auch noch mehr Wege in den Blutkreislauf). Mit dem Blut gelangt es überall in den Körper, nach dem Transport durch die sogenannte Blut-Hirn-Schranke („Filter“ vor dem Blutkreislauf des Hirns, um schädliche Substanzen draußen zu halten) auch ins Hirn. Dort gelangt es auch an die Synapsen, wo es einerseits die Vesikel in Neuronen mit Noradrenalin und Dopamin zerstört (wodurch es somit streng genommen schon kein reiner Wiederaufnahmehemmer ist), wodurch die beiden Neurotransmitter durch die Zellwand in den synaptischen Spalt gelangen und andererseits die Wiederaufnahmeproteine für Noradrenalin und Dopamin beschädigt, so dass diese einmal abgegebenes Noradrenalin oder Dopamin nicht zurück in die Zelle befördern können. Es befindet sich also nach Einnahme der Substanz wesentlich mehr Noradrenalin und Dopamin in den synaptischen Spalten der noradrenergen und dopaminergen Neuronen. Diese beiden Neurotransmitter können nun wesentlich häufiger mit den Rezeptoren an der Postsynapse reagieren und führen entsprechend zu einer wesentlich höheren Feuerfrequenz im nachgeschalteten Neuron. Im weiteren Schaltverlauf erreichen die höheren Aktivitätsmuster dieser Neuronen dann beispielsweise die noradrenergen Regelneuronen am Herzmuskel, wo es dadurch zu einer stärkeren Stimulation des Herzens, mit höherer Schlagkraft und – frequenz kommt. Ähnliche Veränderungen in Schaltkreisen, die an bewussten, kognitiven Funktionen beteiligt sind, führen zur Veränderung in der Selbstwahrnehmung, der Geschwindigkeit eigener Gedanken, der emotionalen Bewertung von äußeren Reizen (beispielsweise der Kategorisierung aller Partybesucher als „Freunde“) und ähnlichem. Alles in allem entsteht so also das von Amphetamin bekannte Wirkspektrum.
Ungleich komplexer sind die Wirkungen von beispielsweise psychedelischen Drogen. Hier werden häufig eine Vielzahl an Rezeptoren direkt agonistisch oder antagonistisch angesprochen, die psychoaktive Substanz wirkt also nicht indirekt über Erhöhung der Neurotransmitterspiegel, sondern direkt an den postsynaptischen Rezeptoren. Die enorm hohe Anzahl verschiedener Rezeptoren, die beispielsweise durch LSD aktiviert werden, macht eine genaue Untersuchung der daraus resultierenden Wirkung enorm schwierig, zumal die Wirkung eines so umfassenden Eingriffs in die Neurochemie auch sehr stark von der entsprechenden Nervensystemsstruktur (also auch der Persönlichkeit, Erfahrung und ähnlichem) des Konsumenten abhängt.
Nun wollen wir die grobe Funktion der wichtigsten Rezeptoren nennen, die in den Angaben zur Pharmakologie der einzelnen Substanzen aufgeführt wurden. Dabei ist allerdings nie ein Rezeptor als einziger für die genannten Funktionen zuständig. Beim Gehirn greift alles ineinander und beeinflusst sich gegenseitig, es lassen sich also nur grob Funktionen zuweisen.
Rezeptoren

Adreno-Rezeptoren: sind die Rezeptoren, an die Noradrenalin und Adrenalin andocken, was dann zu den oben genannten Effekten führt. α-Adrenorezeptoren liegen hauptsächlich auf Blutgefäßen, Blutplättchen und in Neuronen des ZNS. β-Adrenorezeptoren sind hauptsächlich für die Steuerung der Herztätigkeit verantwortlich (an diesen wirken β-Blocker).
Acetylcholin-Rezeptoren: sind die Rezeptoren, an die Acetylcholin andockt. Über sie werden hauptsächlich Signalübertragungen von den Neuronen an die Muskelzellen gesteuert. Es gibt die muskarinischen und die nikotinischen Acetylcholin-Rezeptoren.
Dopamin-Rezeptoren: sind die Rezeptoren, an denen Dopamin andockt und somit zu den oben genannten Effekten führt. Sie werden mit D1-D5 bezeichnet. D1 und D5 wirken erregend auf Neuronen (exzitatorisch), D2, D3 und D4 wirken hemmend auf Neuronen (inhibitorisch).
GABA-Rezeptoren: sind die Rezeptoren, an denen GABA andockt. Sie sind also hemmende (inhibitorische) Rezeptoren. Einige von ihnen wirken auch angstlösend und muskelentspannend.
NMDA-Kanäle: Einem Blockieren von NMDA-Kanälen, wie es zum Beispiel Ketamin vermag (Ketamin wirkt tatsächlich einfach als “Stöpsel” in diesen Kanälen), werden hauptsächlich die dissoziativen Wirkungen von psychoaktiven Substanzen zugeschrieben. Als dissoziative Wirkungen werden solche von der Trennung des Geistes vom Körper, einer Ich-Auflösung oder ähnliche bezeichnet.
Opioidrezeptoren: sind die Rezeptoren an denen endogene (körpereigene) Opioide andocken, wie zum Beispiel Endorphin. Recht gut erforscht sind die μ (My-),κ (Kappa-) und δ (Delta-) – Opioidrezeptoren. Sie sind hemmende (inhibitorische) Rezeptoren. Sie führen u.a. zu Analgesie (Schmerzhemmung), Euphorie (mit Ausnahme des κ), Dämpfung der Atmung und Pupillenverkleinerung. Verantwortlich sind sie im Körper u.a. für die Steuerung von Glücks-/Belohnungsgefühlen. Über den κ-Opioidrezeptor können aber auch Halluzinationen auftreten, wie der Wirkstoff Salvinorin A beweist (enthalten in Salvia Divinorum).
Serotonin-Rezeptoren(5-HT-Rezeptoren): der Name 5-HT-Rezeptoren rührt daher, dass Serotonin auch 5-Hydroxytryptamin genannt wird. Sie sind die Rezeptoren an denen das Serotonin andockt und die somit zu den oben genannten Effekten führen. Von besonderer Bedeutung für die Pharmakologie ist dabei der 5-HT2A-Rezeptor. Ihm werden durch agonistische Aktivität an ihm (Aktivierung) hauptsächlich (nicht ausschließlich) die halluzinogenen Effekte von z.B. LSD, Pilzen oder Meskalin zugeschrieben.
Sigma-Rezeptoren: steuert zum Teil einige sehr wichtige Funktionen, wie den Transport von Lipiden, die Regulation anderer Rezeptoren/Ionenkanäle und den Zelltod. Spielt außerdem eine Rolle beim Lernen, dem Gedächtnis und bei Stimmungsschwankungen. Er galt früher als Opioidrezeptor, da Opioide über ihn hustenstillend wirken.

Zum Schluss wollen wir noch einmal einige grundlegende Begriffe klären, die häufig im Zusammenhang mit psychoaktiven Substanzen genannt werden und nur mit ein wenig chemischem Wissen verstanden werden können. So wird zum Beispiel häufig von MDMA-Hydrochlorid (oder anderen psychoaktiven Substanzen als Hydrochlorid) oder Amphetamin-Sulfat (oder anderen psychoaktiven Substanzen als Sulfat) gesprochen. Ein Hydrochlorid ist ein Salz, das durch Zufuhr von Salzsäure zu einer basischen Substanz entsteht. Bei reinem MDMA handelt es sich um eine Base, in diesem Zustand ist es flüssig und sehr schlecht löslich. Fügt man Salzsäure hinzu entsteht ein Salz, dass man nun in Wasser lösen kann und das sich nicht an der Luft verflüchtigt. Sulfate sind ebenfalls Salze, allerdings keine Salze der Salzsäure, sondern Salze der Schwefelsäure. Der Grund für die Synthese dieser ist meist derselbe wie bei Hydrochloriden: Sie sind in Wasser löslich und stabiler.

Quellen der Bilder in Reihenfolge des Vorkommnisses im Text:
http://www.michael-giesecke.de/training/Texte/01_Wahrnehmen/Schema/koerperwahrnehmung_1.htm
http://www.lifeline.de/medizinwissen/galerie-gehirn-mythen-fakten-id147871.html
http://www.eduvinet.de/mallig/bio/neuron/bilder2/neuron5d.gif
http://scienceblog.at/transportunternehmen-zelle#.VvKa6npvWuc